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Schamanismus

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Schamanismus

Der Schamanismus im Alltag

Doch wie wird man Schamane? Wird man schon als Schamane geboren oder lernt man es erst? Erbt man die Begabung oder ruht das Talent dazu in jedem von uns? Generell gilt in allen Traditionen, dass die Geister auswählen wer würdig ist, oft durch Träume oder Visionen. Es folgt eine Initiation, deren generelles Thema der Tod und die Wiedergeburt sind. Die alte Persönlichkeit wird abgelegt und eine neue, schamanische Persönlichkeit wird von den Geistern geschaffen. Dadurch erhält der Schamane Einsichten in die Kraft und die wahre Natur der Dinge. Danach folgt eine jahrelange Lehrzeit, in der Geisthelfer und Lehrer den jungen Schamanen in alle wichtigen Bereiche der Schamanenkunst einführen. Dazu gehören auch Musik, Schauspiel und Tanz. Dabei besteht oft kein Unterschied zwischen den "lebenden" und den "toten" Lehrern. Werden die Geister nicht respektiert, verliert der Schamane seine Macht. Während der Lehrzeit erhält der Schamane auch seine ersten schamanischen Hilfsmittel. Meist sind dies Trommel oder Rassel und ein Kostüm.

Hier erfährt der Lehrling auch eine fundierte Ausbildung in schamanischer Trance. Diese ist, anders als z.B. eine meditative Trance oder eine Besessenheit, in hohem Maße kontrolliert. Sie ist gekennzeichnet durch eine gesteigerte Aufmerksamkeit bei gleichzeitiger Verminderung der bewussten Wahrnehmung. Oft wird auch von Ekstase gesprochen, daher hier eine kleine Begriffsklärung:

"Trance" ist ein medizinischer Begriff für einen bestimmten physiologischen Zustand.

"Ekstase" bezeichnet zwar eigentlich den selben Zustand, ist aber ein religiöser Begriff.

Merkmale der Trance sind unter anderem Zittern, Schaudern, Gänsehaut, Ohnmacht, Gähnen, Lethargie, Krämpfe, Schaum vor dem Mund, heraustretende Augen, intensive Hitze, Kälte oder Schmerzen, Zucken, lautes Atmen, gläserne Starre und viele mehr.

Vor der Tranceinduktion steht meist eine tagelange Vorbereitung. Dazu können gehören: Meditation und Rückzug aus der Gemeinschaft in die Einsamkeit; körperliche Anstrengung durch schwitzen, fasten oder das Erklimmen eines Berges; und auch die Einnahme von Halluzinogenen. Dazu kommt die starke Verbindung zwischen Musik und Trance in vielen Traditionen. Die rhythmische Regelmäßigkeit von Trommel und Rassel oder Gesang unterstützt die Tranceinduktion. Das Instrument hat darüber hinaus oft eine besondere symbolische Bedeutung: so gilt die Trommel als Führer oder Reittier in der Geisterwelt. Auch besitzen viele Geister ihre eigene "Erkennungsmelodie". Vielfach gehört auch das Tanzen zur Trance, entweder als Teil der Induktion oder aber hinterher als Möglichkeit, der Gemeinschaft von der Seelenreise zu berichten.

Heute beschäftigt sich auch die Wissenschaft zunehmend mit dem Schamanismus und den damit verbundenen Phänomenen. So betreibt das "Altered States of Consciousness Consortium" weltweit Forschung über die neurophysiologischen, neuropsychologischen und psychophysiologischen Mechanismen veränderter Bewusstseinszustände – unter anderem auch in Freiburg, Gießen und Jena. Aus dem Projekt einer Feldstudie zu Schamanismus und Neoschamanismus im deutschsprachigen Raum, die von den zwei Psychologen E. Bauer und Dr. G. Mayer im Jahr 2000 begonnen wurde, ist inzwischen ein Buch entstanden. In den USA hat Peggy A. Wright speziell zu schamanischer Trance mehrere Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht.

Und auch in der breiten Öffentlichkeit ist Schamanismus nicht mehr unbedingt etwas ungewöhnliches. Zahllose Seminare mit schamanischer Prägung werden angeboten, vom Trommelworkshop bis zur Schwitzhütte, von "Finde dein Krafttier" bis zu "Schamanisch reisen leicht gemacht". Es hat sich zum Modetrend entwickelt, der leider auch Trittbrettfahrer und geldgierige Scharlatane angezogen hat. Das macht es den seriös arbeitenden Schamanen nicht leichter, und auch nicht dem interessierten Laien, der aus der Unmenge von Angeboten und Büchern nun diejenigen heraussuchen muss, die tatsächlich etwas taugen. Doch gibt es auch hoffnungsvolle Zeichen. So berichtete Ende letzten Jahres der SWR in der Sendereihe "Wieso Weshalb Warum", dass es im Kantonsspital im schweizerischen Glarus seit Jahren üblich ist, eine Heilerin um Rat zu fragen wenn die Schulmedizin nicht mehr weiter kommt.


Petra Stenske

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Autor:   redsett
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