I.
„Bei der Tetralemmaaufstellung unterscheiden wir eine freie und eine feste
Form. Bei der freien Tetralemmaaufstellung werden die ersten vier Positionen
zunächst als designierte Orte gestellt. Das bedeutet, sie erhalten erst
im zweiten Bild (oder noch etwas später) ihren endgültigen Platz.
Die freie Tetralemmaaufstellung gibt eher Aufschluß über biographische
Verstrickungen, die feste eher über gegenwärtig ablaufende innere
Prozesse. Bei einer festen Tetralemmaaufstellung werden die vier Orte bereits
im ersten Bild in einem Quadrat aufgestellt, bzw., mit einer gewissen Variabilität
für die aufstellenden KlientInnen formuliert, "auf dem Umfang eines
Kreises oder einer Ellipse mit dem Blick ins Innere dieses Gebietes und so,
daß jeweils die erste und zweite, bzw. die dritte und vierte Position
einander gegenüberstehen.
II.
Es folgt die Kurzfassung eines Fallbeispiels mit einer Tetralemmaaufstellung,
das den Ablauf des Verfahrens verdeutlichen soll. Die Aufstellung fand in einem
Fortbildungsseminar statt.
Wir stellen nun folgende Teile auf:
- den Focus: Dies ist die
Repräsentantin (im engeren Sinne) der Klientin in Bezug auf ihre Frage
nach der Dilemma-Situation;
- das Eine als die Seite
des Dilemmas, der die Klientin (zur Zeit des Beginns der Aufstellung gerade)
näher steht. Es wird als Ort aufgestellt, was bedeutet, daß die
Repräsentantin (im weiteren Sinne) während der ganzen Aufstellung
im wesentlichen am selben Platz stehen bleibt;
- das Andere als die Seite
des Dilemmas, die der Klientin weniger vertraut ist oder der sie (momentan
gerade etwas) weniger zugewandt ist. Das Andere wird ebenfalls als Ort gestellt;
- Beides, ebenfalls durch
einen Ort symbolisiert;
- Keines von Beidem, wiederum
als einen Ort;
- Und auch dies nicht - und
selbst das nicht , die fünfte (5) "Nichtposition" des negierten
Tetralemmas, symbolisiert durch ein freies Element, das sich also spontan
verändern darf.
Für die Darstellung
werden dann nachfolgende Abkürzungen verwendet:
(mR steht für einen [männlichen] Repräsentanten, wR für
eine [weibliche] Repräsentantin)
- Leiter der Aufstellung:
(in diesem Fall beide Autoren [abwechselnd sprechend])
- Seminarteilnehmerin: (T)
- Focus: (F)
- Repräsentant für
„das Eine“: (E)
- Repräsentant für
„das Andere“: (A)
(Die beiden ersten Positionen erhalten wie hier bei der Tetralemmaarbeit im
allgemeinen noch jeweils einen inhaltlich gefärbten "Rufnamen"
vom Klienten.)
- Repräsentant für
Beides: (B)
- Repräsentant für
Keines von Beiden: (K)
- Repräsentant für
die fünfte "Nicht-Position": (5)
Vorab ein lösungsfokussiertes
Vorgespräch und Themenwahl für die ersten beiden Pole
Leitung: Was ist im Moment Dein Anliegen?
T: Ich habe verschiedene berufliche Ausrichtungen, die mir alle Spaß machen,
aber die schwer aufeinander abgestimmt werden können.
Leitung: Angenommen … Du gingest nach diesem Seminar nach Hause …
und irgendwann … ißt Du zu Abend … und dann … legst
Du Dich schlafen … und … schläfst ein. Und … mitten in
der Nacht … geschieht etwas ganz Erstaunliches … fast schon …
ein Wunder - … und das Wunder besteht darin, daß Dein Problem gelöst
ist … einfach so … aber da es ja Nacht ist, hast du nicht gemerkt
… daß es geschehen ist … Woran würdest Du am nächsten
Morgen merken, daß das Wunder für Dich geschehen ist? Was wäre
dann anders?
(Anm.: Wir verwenden oft Miniaturversionen der Wunderfrage in kurzen Aufstellungs-Vorinterviews,
obschon das Stellen der Wunderfrage in der lösungsfokussierten Arbeit ein
erheblich subtilerer Prozeß ist.)
T: An einem Gefühl der "Freiheit". "Freisein von Beurteilungen"
, in irgendeinem Sinne "erwachsener", … und … "frei"
noch in anderen Weisen. Leitung: Und wenn also "die Freiheit", "Freiheit
von Beurteilungen" und "in irgendeinem Sinne
"erwachsener" sein" für Dich das Eine ist, - was ist dann
für Dich dazu das Andere, die andere Seite dazu, zu der "Freiheit?"
T: Die "Aufgabe", meine Aufgabe.
Hier zeigt sich, wie wenig wir wissen, was das Gegenteil von etwas ist. Es war
kaum zu erwarten, daß etwas wie "die Aufgabe" das Gegenteil
von "die Freiheit" ist. Dies exemplifiziert, daß wir in der
Regel nicht wissen können, was das Gegenteil von etwas für jemanden
ist, daß dieses Gegenteil, bzw. das Andere zu einem vorgegebenen Einen
eben nicht eindeutig bestimmt ist. |