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Autogenes Training

Autogenes Training

Das Verfahren des autogenen Trainings wurde zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts von dem Psychotherapeuten Professor Johann Heinrich Schultz entwickelt. Grundlage des autogenen Trainings sind Entspannungsübungen, die eine willentliche Beeinflussung des vegetativen Nervensystems bewirken. Dabei wird das Körperempfinden verbessert und eine wesentliche Harmonisierung körperlicher und seelischer Funktionen erreicht. Autogenes Training ist ein sehr wirkungsvolles therapeutisches Instrument und Selbstfindungsmittel.

Das autogene Training ist im Grunde eine Art Selbsthypnose. Durch sie soll der Patient eigenständig körperliche und seelische Entspannung und Ruhe herbeiführen, mit dem Ziel, die allgemeine Leistungsfähigkeit zu steigern, Ängste und Stress abzubauen und sogar Schmerzen und Krankheiten zu lindern oder zu heilen.

Der Begriff autogenes Training beinhaltet bereits die wichtigsten Elemente des Verfahrens: Zum einen werden die Techniken autogen, d.h. selbst gestaltet durchgeführt, zum anderen weist das Wort Training darauf hin, dass die Methode durch wiederholte, systematische Übung eine hohe Efffektivität erreicht wird. Die Einführung in das autogene Training sollte grundsätzlich durch ausgebildete Therapeuten stattfinden, da durch das Training Körperfunktionen, wie der Kreislauf oder das vegetative Nervensystem, sowie die Wahrnehmungs- und Reaktionsfahigkeit verändert wird. So positiv die Selbstentspannungsmethode bei richtiger Durchführung ist - unsachgemäßes Üben kann unerwünschte Folgen nach sich ziehen.

Einige Gründe für das "Autogene Training"

  • Konzentrationsschwierigkeiten Stress und Überlastung
  • Befreiung von Angstzuständen Schüchternheit und Hemmungen
  • Nervosität und Unruhe
  • Schlafstörungen; Vermindertes oder übergroßes Schlafbedürfnis
  • Rauchen oder Alkoholkonsum abgewöhnen
  • Gewichtsprobleme
  • Schwangerschaft
  • Konflikte im Beruf oder in der Familie
  • Befreiung von Zwängen Psychosomatische Erkrankungen
  • Störungen des vegetativen Nervensystems
  • Herzrhythmusstörungen
  • Neigung zu Schwindel oder Kollaps
  • Kopfschmerzen
  • Erhöhter Puls/Erhöhter Blutdruck
  • Appetitlosigkeit
  • Opstipation oder Durchfall
  • Magenprobleme
  • Wetterfühligkeit
  • Übelkeit, Erbrechen
  •  Libido- oder Potenzverlust
  • Amenorrhoe (Ausbleiben der Regel)

Die Grundstufe

In der Grundstufe erreicht man eine Selbstruhigstellung und Erholung, eine Leistungssteigerung und eine entspannt-gelassene Haltung. Man lernt sich geistig und körperlich zu entspannen, besser abzuschalten, Stresssituationen ruhiger zu begegnen und sich gelassener auf bevorstehende Aufgaben zu konzentrieren. Die Selbstentspannung durch autogenes Training erfolgt durch Formeln: zunächst durch allgemeine Übungsformeln, dann durch eigene formelhafte Vorsätze. Die Übungen werden nacheinander in einzelnen Sitzungen erlernt:

  • Ich bin ruhig und entspannt!
  • Meine Arme und Beine sind schwer!
  • Meine Arme und Beine sind warm!
  • Mein Herz schlägt ruhig und regelmäßig!
  • Die Atmung ist ruhig und regelmäßig!
  • Das Sonnengeflecht ist strömend warm!
  • Die Stirn ist angenehm kühl!

Je nach Therapeut und Indikation wird der Wortlaut der einzelnen Übungen etwas abgeändert. Diese Formeln gehören zur Grundstufe des autogenen Trainings, sie werden in sechs bis sieben aufeinander folgenden Sitzungen behandelt und eingeübt. Die Übungsstunden dauern in der Regel 90 Minuten, die in theoretische und praktische Abschnitte unterteilt sind.

Einer Einzeltherapie ist beim autogenen Training immer eine Gruppentherapie vorzuziehen, weil sich die Methode so leichter erlernen lässt und die Erfahrungen der anderen Kursteilnehmer helfen, eine eventuelle Scheu zu überwinden.

Wichtig beim Beenden der Übungen ist das sogenannte "Zurücknehmen", mit energischen Kommandos. Dieses Zurücknehmen ist notwendig, um in einen vollwachen Zustand zurückzukehren und zudem negativen Wirkungen vorzubeugen.

Die Aufbaustufe

Die oben genannten Grundstufen-Übungsformeln sind so ausgerichtet, den Menschen in einen Zustand der Vertiefung, Ruhe und Entspannung zu versetzen. Doch das autogene Training kann mehr: Durch so genannte formelhafte Vorsätze ist es möglich, körperliche und seelische Störungen und Krankheiten zu behandeln und Charakterschwächen auszugleichen.

In der Aufbaustufe werden diese "formelhaften Vorsätze" vorgestellt und eingeübt. Diese Vorsätze wirken unmittelbar und lassen die enthaltene Information zur Tat werden. Selbstruhigstellung, Entspannung als Erholung, Leistungserhöhung im körperlichen Bereich und im Beruf, Intensivierung geistiger Funktionen, Beseitigung allgemeiner Störungen, Angst, Schmerz, Stress, Gewohnheit, Sucht und Schlafstörungen sind nur einige Beispiele die in der Aufbaustufe wirksam umgesetzt werden können.

Es handelt sich dabei um Formeln, die so gefasst sind, dass sich mit ihrer Hilfe ein bestimmtes, selbst gestecktes Ziel erreichen bzw. eine Störung beseitigen lässt. Wichtig ist, dass sowohl Inhalt und sprachliche Form der gewählten Formel mit einander im Einklang stehen und auch die Persönlichgkeit der Patienten zu ihr passt.

Die persönlichen Formeln werden so lange an die täglichen Grund-Übungen angehängt, bis die erwünschte Wirkung verlässlich eingetreten ist. Durch das regelmäßige Wiederholen der Formeln prägen sie sich dem Unterbewusstsein ein. In schwierigen Situationen tauchen diese Leitsätze plötzlich und zuverlässig auf und zeigen ihre entsprechende Wirkung. Wer etwa mit der Formel "Ich bin ruhig und gelassen!" trainiert, dem wird während eines Streitgesprächs dieser Gedanke mitsamt seinen Wirkungen wie z.B. Klarheit, Ruhe und Sicherheit von selbst kommen.

Die Oberstufe

Bereits bei den Grundstufenübungen berichten einige Patienten von Farb- und Bildwahrnehmungen. Solche Inneren Bilder lassen sich gut zur Selbstfindung und Selbstverwirklichung nutzen, bedürfen aber einer besonders gründliche Anleitung.

Die Oberstufe ist als Fortsetzung der Aufbaustufenübungen zu sehen. In der Oberstufe kann man sich z.B. thematisch ausrichten, ein Problem oder eine Frage aufgreifen und bearbeiten.

Die Kurse beginnen mit dem Üben von Farben und dehnen sich dann zu Bilderschauen aus, wie etwa den "Gang auf den Meeresgrund" oder den "Weg auf den Berggipfel". Vor dem inneren Auge entwickeln sich dann die Farben bzw. Bilder. Diese Inneren Bilder, "autogene Imagogik" genannt, führen dem Patienten den unermesslichen Reichtum der inneren Bilderwelt vor Augen und können helfen, Aggressionen zu verarbeiten und unterschwellige Konflikte zu überwinden.





Autor:   Michele
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