Olestra heißt das synthetische Fett, das
in den USA von Procter & Gamble, dem bekannten Waschmittelhersteller,
entwickelt und in den Handel gebracht wurde. Gaumen und Zunge empfinden es
als Fett, aber es lässt sich nicht abbauen und durchläuft den Darm
daher unverdaut. Die moderne Überflussgesellschaft verschafft sich offenbar
den "Genuss ohne Reue", indem sie die Aufnahme der angeblich störenden
Kalorien aus Fetten unterbindet. Das Beispiel von Olestra zeigt, zu welchen
wahrhaften "Meisterleistungen" die Lebensmitteltechnologie heutzutage
in der Lage ist, indem sie es ermöglicht, uns mit fetthaltigen Nahrungsmitteln
voll zu stopfen ohne dick zu werden. Trotzdem trat während der Entwicklung
dieses Pseudo-Fetts eine kleine Komplikation auf, nämlich als man entdeckte,
dass es Durchfall verursacht. Das Problem wurde gelöst, indem man ein
Mittel zusetzte, das den Austritt aus dem After verhindert.
Von diesem dubiosen Produkt wird sogar behauptet, es sei gesundheitsfördernd,
da es den Cholesterinspiegel senke. Es scheidet tatsächlich Cholesterin
aus dem Körper aus, aber man kann sich darüber streiten, ob dies
gesundheitsförderlich ist, denn gleichzeitig wird die Verwertung der
fettlöslichen Vitamine gestört, was ganz bestimmt nicht gesund ist.
Außerdem geht aus Forschungsergebnissen eindeutig hervor, dass der Körper
sich nicht so leicht hinters Licht führen lässt. Man ist so lange
hungrig, bis er die erforderlichen Fettkalorien zugeführt sind.
Wissenslücke
Wissenslücke Die heutige Gesellschaft ist ganz offen-sichtlich einem
Missverständnis über die Bedeutung der Fette in der täglichen
Nahrung unterlegen, und nur allzu wenige Menschen verfügen über
ein ausreichendes Wissen über dieses lebenswichtige Thema. Möglicherweise
müssen wir für diesen Mangel an Wissen einen hohen Preis zahlen.
Die
in unserer Nahrung enthaltenen Fette und Öle versorgen uns nicht nur
mit den wichtigen fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K, sondern sind
außerdem die Grundlage für die Bildung der Zellwand und von Stoffen
wie Hormone und Prostaglandine, die alle Körperfunktionen auf der Zellebene
steuern. Sogar für die Umwandlung des Betakarotins zu Vitamin A sind
entsprechende Fettmengen in der Nahrung erforderlich, denn die wichtigen Gallensäuren
werden nur nach dem Verzehr von Fett abgesondert.
Gleichzeitig wird uns von vielen Fachleuten erzählt, wir sollten uns
fettarm ernähren, zum einen um abzunehmen, zum anderen um Herzleiden,
Krebs und andere degenerative Krankheiten zu vermeiden. Unter diesen Fachleuten
befinden sich Ärzte, Vertreter von Regierungsbehörden und Vereinigungen
des Gesundheitswesens mit scheinbar eindrucksvollen Referenzen. Vor allem
die gesättigten tierischen Fettsäuren werden normalerweise als Bösewichte
dargestellt. Seit etwa 1950 wird die Theorie verbreitet, dass diese Krankheiten
durch gesättigte Fettsäuren verursacht würden, aber seither
hat eine ganze Reihe von Untersuchungen überzeugend dargestellt, dass
diese Theorie falsch ist. Sie passt allerdings gut zu der Marketingstrategie
der riesigen Nahrungsmittel verarbeitenden Industrie, die raffinierte pflanzliche
Öle und Margarine verkauft, durch diese Machtposition wurde die Theorie
seither ganz massiv unterstützt.
Tierisches Fett und Herzkrankheiten
In den Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg nahmen die Fälle von Herzleiden
drastisch zu, und heutzutage werden vierzig Prozent aller Todesfälle
in der industrialisierten Welt auf den übermäßigen Verzehr
von gesättigten Fettsäuren zurückgeführt. Wenn diese Theorie
aber stimmte, müsste ein vergleichbarer Anstieg beim Verzehr tierischer
Fette zu verzeichnen sein. Interessanterweise hat dieser aber abgenommen.
Die wahre Ursache ist wahrscheinlich eher in dem während des zwanzigsten
Jahrhunderts stark angestiegenen Verzehrs raffinierter pflanzlicher Öle
und Margarine sowie auch im Zucker zu sehen, der im Körper zu Fettsäure
umgewandelt wird. Die Vorstellung, dass das Fett selbst zu Herzleiden und
Krebs führt, trifft nicht den Kern der Sache.
Die richtigen Fette und Öle schaffen die nötigen Voraussetzungen
für eine gute Gesundheit, während die falschen krank machen. Jahrtausende
lang wusste die Menschheit die Vorteile von Olivenöl, Leinöl und
Sesamöl zu schätzen, aber heutzutage werden zum Beispiel Sojabohnen
zur Ölgewinnung genommen, die sich mit modernen Maschinen verarbeiten
lassen.
Außerdem kann sich ein gesundes Öl sehr schnell in ein ungesundes
verwandeln, wenn es den zerstörerischen Einflüssen von Hitze, Licht,
Sauerstoff, Hydrierung und Homogenisierung ausgesetzt wird. Die Massenmedien
übersehen bei ihren oberflächlichen Darstellungen des Themas häufig
diesen Unterschied bezüglich der Qualität.
Gesättigt, einfach ungesättigt,
mehrfach ungesättigt…???
Alle Fette bestehen sowohl aus gesättigten und einfach ungesättigten
als auch aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Tierische Fette
enthalten ungefähr fünfzig Prozent gesättigte Fettsäuren
und sind bei Zimmertemperatur fest. Pflanzenöle aus kälteren Klimazonen
enthalten die meisten mehrfach ungesättigten Fettsäuren und sind
bei Zimmertemperatur flüssig.
Dagegen ist das gesättigte Kokosfett
in den Tropen flüssig, aber in unserem gemäßigten Klima ist
es fest. Kokosfett war in den Tropen schon immer ein wichtiges Nahrungsmittel
für gesunde Menschen. Trotz der vielen gesättigten Fettsäuren,
die sie zu sich nehmen, gab es unter ihnen kaum Herzkranke, und degenerative
Krankheiten treten dort erst seit Einführung von Zucker und anderen raffinierten
Lebensmitteln auf. Eines der jedenfalls wichtigsten Bücher, das jemals
zu diesem Thema geschrieben wurde, ist "Nutrition and Physical Degeneration"
von Dr. Weston A. Price (gekürzte Ausgabe "Gefährdete Menschheit",
hrsg. von Albert von Haller). Darin dokumentiert Dr. Price schon in den 30er
Jahren den blühenden Gesundheitszustand der Naturvölker der ganzen
Welt und dessen Verlust durch die Veränderung in der Ernährung durch
die hochgradig raffinierten Lebensmittel in der heutigen Zivilisation.
Die Fette werden auch nach der Lage ihrer
Fettsäureketten eingeteilt. In Butter und Kokosfett kommen Fettsäuren
mit kurzen und mittellangen Ketten vor, während Rindfleisch hauptsächlich
über lange Fettsäureketten verfügt, wie auch das Fischöl,
Olivenöl und sonstige Pflanzenöle.
Ein Vorteil der Fettsäuren mit kurzen und
mittellangen Ketten besteht darin, dass der Körper sie direkt aufnehmen
kann und so eine schnelle Energiezufuhr erhält. Die Fettsäuren mit
den langen Ketten dagegen werden auch vom Lymphsystem aufgenommen und lassen
sich schwerer abbauen. Sie werden außerdem im Fettgewebe eingelagert
und tragen dadurch seltsamerweise stärker zu Fettansammlungen bei als
Butter.
Die kurzen und mittellangen Fettsäureketten in der Butter und im Kokosfett
schützen außerdem vor Bakterien, Viren und Hefepilzinfektionen
im Verdauungapparat. Sie stärken das Immunsystem und unterbinden sogar
die Bildung von Tumoren. Dagegen hat sich erwiesen, dass er übermäßige
Verzehr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren wachstumsfördernd
auf Tumore wirken kann. |