Was ist Progressive Muskelentspannung
nach Jacobsen?
Die Muskelentspannung nach Jacobson
ist eine Methode, um auch in belastenden Situationen schnell und effektiv zu
entspannen. Wie auch beim "Autogenen Training nach Schulz" führt
diese Technik zu einer Intensivierung der körperlichen Wahrnehmungsfähigkeit.
Sie beruht auf der einfachen Erkenntnis, dass durch starkes Anspannen und plötzliches
Entspannen von Muskelgruppen eine tiefe körperliche Entspannung erzielt
werden kann. Und wer körperlich entspannt ist, kann sich auch seelisch
entspannen, wird ruhiger und gelassener. Diese Methode ist ein modernes Entspannungsverfahren,
das von allen Menschen leicht und in kurzer Zeit erlernt werden kann und ist
gut für Menschen geeignet, die mit anderen Entspannungstechniken nicht
zurechtkommen.
Auf der geistig-seelischen Seite wird eine Harmonisierung
und Stabilisierung sowie eine "Resonanzdämpfung überschießender
Affekte", also ein Zustand der Inneren Gelassenheit und Ausgeglichenheit,
angestrebt. Zusätzlich soll auch im psychischen Bereich eine allgemeine
Vitalisierung und eine Steigerung des psychischen Energieniveaus durch diese
Methode erreicht werden. Psychisches Angespanntsein,
körperliche Verspannungen und vegetative Reaktionen auf Stressoren im eigenen
Umfeld werden durch diese Methode abgemildert und für den Übenden
beherrschbar. Chronische Schäden bis hin zu organischen Krankheiten, die
als Folge von psychischen und somatischen Dauerspannungen denkbar sind, können
mit dieser Entspannungstechnik verhindert werden.
Die Progressive Muskelentspannung kann im Rahmen des Unterrichts und zur Prüfungsvorbereitung
bereits in den ersten Schulklassen eingesetzt werden. Die Funktionsabläufe
dieser Methode ähneln den isometrischen Krafttrainingseinheiten, wie sie
bei vielen Sportarten vorkommen.
Methodik
Dieses Konzept wird üblicherweise in drei Phasen ausgeführt: der Vorbereitungsphase,
der Anwendungsphase und die Nacharbeitsphase.
In der ersten Phase wird die Methode vorgestellt, und es wird auf eventuelle
Ängste und Vorbehalte des Teilnehmers eingegangen. Diese Phase ist rein
psychologischer Natur und hat kein anderes Ziel als ein Vertrauen zwischen Therapeut
und Patient aufzubauen, was sich positiv für den Einsatz der Therapie in
der Anwendungsphase auswirken soll.
Während der Anwendungsphase kommt das Konzept der progressiven Entspannung
zum Tragen. Anhand von Signalen des Therapeuten führt der Teilnehmer bestimmte
kleine Bewegungsabläufe aus, die üblicherweise auf die An- und Entspannung
bestimmter Muskelgruppen ausgerichtet sind (zum Beispiel Öffnen und Schließen
einer Faust). Dabei ist es Aufgabe desTeilnehmers Patienten, sich auch die Wahrnehmung
dieser Spannung zu konzentrieren und so eine besondere Wahrnehmung für
seinen Körper zu entwickeln.
Die Grundlagenkenntnisse
In der Jacobson-Therapie sind sechzehn verschiedene
Muskelgruppen festgelegt, die in einer bestimmten Reihenfolge der progressiven
Entspannung unterzogen werden, was nach und nach eine Tiefenentspannung beim
Übenden hervorruft. Die Auswirkungen dieser Bewegungen sind überaus
vielfältig und rufen vor allem eine intensive Entspannung hervor, aus der
der Teilnehmer nach dem Ende der Anwendungsphase langsam zurückgerufen
wird. Insbesondere dieses kontrollierte Ende dieser Therapie ist für die
Erfahrung der Jacobson Entspannung sehr wichtig, damit die Therapie ihre Wirkung
entfalten kann. Nach der Anwendungsphase werden positive und negative Erfahrungen
während der Anwendung besprochen; insbesondere wird die Tiefe der Entspannung
beurteilt, damit der Therapeut sich bei zukünftigen Anwendungen der Therapie
auf den individuellen Patienten einstellen kann.
Die Fortgeschrittenenkenntnisse
Es werden sowohl klassische als auch neuere Entwicklungen
und auf bestimmte Alltagssituationen abgestimmte Übungen erlernt. Bei der
Modifikation des Verfahrens der Progressiven Muskelentspannung für Fortgeschrittene
wird mit vereinfachten Jacobsen-Verfahren geübt, bei der aber keine muskuläre
Anspannung mehr erforderlich ist. Ähnlich dem "Autogenen Training
nach Schulz" werden später im Vergegenwärtigungsverfahren vergleichbare
Entspannungstiefen wie im Klassischen Verfahren der Progressiven Muskelentspannung
erreicht.
Medizinisch gesehen ruft diese Therapie vor allem
eine Aktivierung des Parasympathikus hervor, eines Teiles des vegetativen Nervensystems,
welcher für Senkung des Blutdrucks, Abnahme der Herzschlagrate und für
die Entspannung der Muskulatur zuständig ist. |