Indische
Lebensfreude und Gesundheit
von Michele De Vivo
Yoga ist eine der sechs klassischen Schulen (Darshanas) der indischen Philosophie.
Im Yoga geht es um die Vereinigung des individuellen Selbst mit dem unendlichen
universellen Selbst. Es gibt viele verschiedene Formen des Yoga alle mit ihrer
eigenen Philosophie und Praxis, aber aufgrund seiner Popularität im Westen denkt
man bei dem Begriff oft nur an körperlichen Übungen, die Asanas oder Yogasanas
genannt werden.
Yoga als ganzheitliches Lebenskonzept
Das Wort "Yoga" kommt aus dem Sanskrit und bedeutet "Vereinigung,
Einssein". Oberstes Ziel ist es, durch Einheit von Körper, Geist und
Seele Leiden aller Art zu beenden und im Hier und Jetzt glücklich zu sein.
Um das zu erreichen, wird die Vereinigung des "Höheren Selbst"
(atman) mit dem Göttlichen bzw. der universellen Kraft angestrebt. Als
ganzheitliches, physio- und psychologisches Lebenskonzept mit umfangreichen
geistig-spirituellen Prinzipien führt Yoga durch körperliche und mentale
Praxis dorthin. Dieser Weg ist nicht immer einfach. Er erfordert Disziplin,
regelmäßige Praxis und Aufrichtigkeit und Bewusstheit im täglichen
Leben. Aber dafür belohnt er mit Freude und Entspannung, Klarheit und innerer
Ruhe - Dinge, die uns in unserem heutigen Leben häufig abhanden gekommen
sind.
Einige meditative Formen von Yoga legen ihren
Schwerpunkt auf die geistige Konzentration, andere konzentrieren sich eher auf
körperliche Übungen und Positionen (die Asanas) oder beschränken sich eher auf
Askese. Die theoretischen und philosophischen Grundlagen des Yoga gehen auf
die Veden zurück, die ältesten indischen heiligen Schriften aus der Zeit um
1500 v.Chr.
In den klassischen indischen Schriften werden
4 Yogawege beschrieben:
- Raja Yoga (Yoga der Ganzheit, der zur Befreiung
führt)
- Jnana Yoga (Yoga der Erkenntnis, intellektuelle
Richtung)
- Karma Yoga (Yoga der Tat, des selbstlosen
Handelns)
- Bhakti Yoga (Yoga der Verehrung/Hingabe)
Folgende Begriffe stehen im Zusammenhang mit der
Yogapraxis:
- Hatha Yoga (Yoga des körperlichen und geistigen
Ausgleichs)
- Marma Yoga (Yoga der Kopplung biologischer
Rhythmen)
- Ashtanga Yoga (Achtgliedriger Yoga nach
Patanjali)
Des Weiteren gibt es auch Yoga-Richtungen, die mehrere der
zuvor genannten Bereiche abdecken, z.B. das Kundalini Yoga (Yoga des Bewußtseins
mit dem Ziel der Erweckung und -lenkung der Kundalini; heute vertreten von Yogi
Bhajan). Auch gibt es mit Kum Nye ein buddhistisches Heilyoga und mit Yantra
Yoga ein tibetisches Yoga das als Meditationsunterstützung eingesetzt wird.
Tibetisches Traumyoga erweitert den Anwendungsbereich geistig-yogischer Übungen
auf den Bereich des Schlafs.
Yogaübungen verfolgen grundsätzlich einen ganzheitlichen Ansatz,
der Körper, Geist und Seele zugleich in Einklang bringen soll. Hierzu gibt es
in einer typischen Unterrichtseinheit (Übungsreihe) mit sowohl statischen als
auch dynamischen Asanas, eine Phase der Tiefenentspannung sowie eine Meditation.
Zum Beispiel wird im Kundalini Yoga durch die Kombination von Körperhaltungen,
Bewegungsabläufen, inneren Konzentrationspunkten, Atemführung sowie dem Gebrauch
von Mantras (Meditationsworten) und Mudras (Handhaltungen-Fingeryoga) die Kundalini-Energie
derart stimuliert, dass sie beginnt durch die Chakren (Energiezentren) aufzusteigen.
Yoga ist eine wunderbare Möglichkeit, Körper, Seele
und Geist in Harmonie zu bringen. Dadurch ist es möglich, Gesundheit und Flexibilität
bis ins hohe Alter zu erhalten.
Im Übungsprogramm des Yogaunterrichts werden meist fünf Elemente geübt:
Die Asanas (Körperbaltungen), Pranayamas (eine Technik, den Atem zu regulieren),
Rezitation (von Silben, Worten oder Textpassagen), die Meditation und das Ritual.
Asanas
Asanas sind festgelegte Körperübungen, bei denen der Körper in
eine bestimmte Position gebracht wird. Es gibt verschiedene Kategorien von Asanas.
Sie können liegend, stehend oder sitzend ausgeführt werden. Es gibt
Vorwärts-, Rückwärtsbeugen und Drehungen. Die Asanas lösen
Verspannungen, indem sie verkürzte Sehnen und Muskeln wieder in ihren Ausgangszustand
zurückbringen. Jede Stellung wird einige Minuten unter hoher Konzentration
beibehalten.
Bei einem idealen Übungsprogramm werden alle
Gelenke von den Zehen bis zu den Fingerspitzen einmal durch bewegt und alle
Bereiche des Körpers einschließlich Atemaparat und Kreislaufsystem
gespürt und trainiert.
Bei den Dharayanas wird die Konzentration auf Atmung und Körper gelenkt.
Die Hinwendung nach innen zu Ruhe und Konzentration geschieht durch geistige
Bilder, die als Mantra immer wiederholt werden - zum Beispiel "Ich ruhe
in meiner Mitte".
Der Lotussitz steht laut indischer Sichtweise für tiefe Entspannung und
den Weg nach innen. Wer regelmäßig übt, senkt nachweislich Blutdruck
und Cholesterin und stärkt das Immunsystem. |