Dem griechischen Arzt Hippokrates wird die Entdeckung
zugeschrieben, dass Wunden an den Händen von Fischern ohne Infektionen
heilten. Er schloss daraus, dass das Meer aktive Heilkräfte besitzen müsste
und verschrieb seinen Patienten Meerwasserumschläge und -bäder. In
seiner Schrift "Über Luft, Wasser und Örtlichkeiten" hielt
Hippokrates (um 460 v. Chr.) erstmals die Wirksamkeit von Meerwasseranwendungen
bei Ischiasleiden und Rheuma fest. Über die gesamte griechische und römische
Antike hinweg waren Meeresbäder daher äußerst beliebt.
Thalassotherapie ist die geregelte, gleichzeitige Nutzung von
Luft, Meerwasser, Meeresschlamm sowie Sand und Algen zur Heilung bei paralleler
medizinischer Überwachung an einem besonderen Ort, der nicht weiter als
400 Meter vom Meer entfernt sein sollte. Denn für eine wirksame Thalassotherapie
bedarf es einer Fülle an Faktoren, wie Wasser und Sonne, Luft und Bewegung,
die zudem mit dem speziellen Kurcharakter und der Ausschaltung des Alltags einher
gehen. Die simultane Ausnutzung der einzelnen Faktoren des Meeresmilieus macht
die Besonderheit der Thalassotherapie aus, die damit eine Mischung aus Balneotherapie,
Klimatherapie und Bewegungstherapie ist. Darüber hinaus nutzt sie Elemente
wie Massagen und Packungen.
Heilkräfte
Das Potenzial der Thalassotherapie
liegt in zwei Elementen: dem heilenden Salz im Meer und den lebenswichtigen
Mineralien der Alge.
Meersalz enthält ein beträchtliches
Quantum an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen, auf denen die medizinische
und kosmetische Wirkung des Meerwassers beruht: Im Durchschnitt enthält
ein Liter Meerwasser unter anderem rund 11060 mg Natrium, 1340 mg Magnesium,
418 mg Calcium und 416 mg Kalium - alles lebenswichtige Mineralstoffe, die durch
zahlreiche Spurenelemente wie Jodid, Bromid, Fluorid und Lithium ergänzt
werden.
Die modeme Thalassothrapie findet heute
sowohl direkt am Meer als auch in Meerwasserbecken im Therapiezentrum statt.
Die Therapie besteht z.B. aus Bädern,
Wassersport in Meerschwimmbecken, Massagebädern, bei denen die Haut durch
kleine Düsen in erwärmtem Meerwasser massiert werden, sowie aus Inhalationen
aus Meeresaerosol. Aerosol ist ein Gemisch aus Luft und festen oder flüssigen
sehr kleinen Schwebestoffen, wie man es vom Nebel her aus kennt. Aerosol-Inhalationen,
insbesondere mit Meeresaerosol, dienen der Befreiung der Atemwege und der Stärkung
der Widerstandskräfte.
Das zweite wichtige Kraftfeld der Thalassotherapie,
die Alge, wird vor allem in Form von Packungen und Wickeln, aber auch als Bad
und in der Nahrung verabreicht. Meeresalgen sind reich an essentiellen Aminosäuren,
Carotin und den Vitaminen E, K, B1, B2 und B12 sowie Vitamin C und enthalten
mehr als 45 Mineralien und Spurenelemente. So finden sie nicht nur in der Medizin
zum Abbau von Stress und zur Rheumabehandlung, sondern auch in der Kosmetik
zur Zellulitisreduktion Einsatz. |