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Hildegard-Medizin

Hildegard-Medizin

Der Begriff Hildegard-Medizin geht auf den Konstanzer Arzt Gottfried Hertzka und den Heilpraktiker Wighard Strehlow zurück. In Hertzkas Buch "So heilt Gott" sind auf Grundlage der mittelalterlichen Schriften von Hildegard von Bingen Heilmethoden und eine Sammlung von Arzneimitteln zusammengestellt.

Hildegard von Bingen wurde 1098 als zehntes Kind adliger Eltern geboren und wurde als Mystikerin und als Vermittlerin der göttlichen Botschaft gesehen. Sie hatte eine Reihe von Visionen - teilweise mit heilkundlichen Inhalten niedgeschrieben.

Ihr literarisches Hauptwerk ist die "Scivias" (Wisse die Wege), in dem sie, wie in allen ihren Schriften, ihre Visionen auf göttlichen Befehl niederschreibt. Hildegard hat insgesamt drei Bücher zu ihren Visionen geschrieben, sowie weitere, manchmal polemische Schriften zu theologischen Fragen der Zeit. Darüber hinaus verfaßte diese Naturwissenschaftlerin zwei naturwissenschaftliche und heilkundliche Werke.

Ihre Klostergründungen, ihre literarischen Werke, ihre Reisen und ihre kirchlichen und politischen Kontakte sind Beispiele für ihre außergewöhnliche Stellung und ihren Einfluss. Hildegard ist die große Mystikerin des Mittelalters. Sie wird bis heute von einigen Forschern als die erste deutsche Ärztin und Forscherin angesehen.

Heilkunde

Die Gesundheitskunde Hildegards ist ganzheitlich. Sie geht davon aus, dass grundsätzlich jeder Mensch gesund ist, solange er im Gleichklang mit sich, Gott und Gottes Schöpfung lebt. Krankheiten entstehen im Wesentlichen durch Abweichung von diesen guten und richtigen Lebensweisen.

Für Hildegard sind daher das seelische und das körperliche Befinden des Menschen untrennbar miteinander verbunden. Ein Zusammenhang, der auch heute durch die Psychosomatik wieder mehr ins Blickfeld rückt. Um gesund zu werden und zu bleiben, ist es also notwendig, den gesamten Menschen zu betrachten, und Aufgabe der Heilkunst ist nicht nur, die Symptome einer Krankheit zu kurieren, sondern ihm den Weg zum "umfassenden Heil" zu ermöglichen.

Die Säulen der Heilkunde

Die Heilkunde Hildegards basiert auf fünf Säulen. Sie dient der Heilung von Krankheiten, vor allem aber auch deren Vorbeugung durch eine gesunde Lebensführung. Die fünf Säulen der Hildegard-Medizin sind durch eine strikte Rangfolge und Gewichtung gekennzeichnet:

  • seelisches Gleichgewicht
  • feste Lebensregeln
  • gesunde Ernährung
  • Naturheilmittel
  • Ausleitungsverfahren

Das seelische Gleichgewicht

Die Grundlage der Gesundheit ist das seelische Gleichgewicht. Notwendig hierfür ist ein tugendhaftes Leben. Denn der Abbau von Lastern und die Stärkung von Tugenden dient der seelischen Reinigung.

Die wichtigste Tugend - vom heiligen Benedikt als Mutter aller Tugenden bezeichnet - ist die "discretio", das Finden des richtigen Maßes und das Maßhalten in allen Dingen.

Feste Lebensregeln

Die zweite Säule für einen vernünftigen Lebensstil und eine ausgewogene Lebensordnung besteht darin, sich im Alltag festen Lebensregeln und -rhythmen zu unterwerfen. Zum Beispiel einen regelmäßigen Wechsel von Ruhe und Aktivität und Wach- und Schlafzeiten einzuhalten.

Die gesunde Ernährung

Dass eine gesunde Ernährung die Grundlage der Gesundheit überhaupt ist, ist längst bekannt. Auch Hildegard stellt die Bedeutung gesunder Ernährung als dritte Säule in den Vordergrund. Die Ernährung sollte maßvoll und ausgewogen sein.

Besondere Bedeutung haben Kräuter und Gewürze. Hildegard betont die Wirkung z.B. von Galgant, Bertram und Fenchel. Wichtig sind auch Gemüse, insbesondere z.B. Sellerie und Edelkastanie. Gemüse muss nach Hildegard immer gekocht sein und darf nie als Rohkost verzehrt werden.

Fleisch soll in Maßen, Schweinefleisch gar nicht und Fisch reichlich genossen werden.

Einige der bei Hildegard verwendeten Lebensmittel sind inzwischen völlig unüblich geworden. Kartoffeln oder Tomaten die es zu Hildegards Zeiten noch nicht gab, sind mittlerweile in aktuellen Ratgebern mit aufgeführt und ergänzen die Auswahl.

Nahrungsmittel

Die vierte Säule der Heilkunde nach Hildegard ist der Einsatz des Arzneimitteln. Ihrer Ansicht nach finden sich überall in der Natur Heilmittel. Sie spricht nicht nur den Pflanzen heilende Kräfte zu, sondern z.B. auch Edelsteinen, Mineralien und Tieren.

Teilweise sind die von Hildegard beschriebenen Wirkungen der Pflanzen wissenschaftlich bestätigt worden.

Ausleitungsverfahren

Die fünfte Säule wird durch die Ausleitungsverfahren gebildet. Dazu gehören chirurgische Praktiken wie das Schröpfen und der Aderlass, die als Methoden gelten, den Organismus von krankmachenden Einflüssen zu reinigen. Weiterhin empfahl Hildegard das Fasten auch in seiner spirituellen Bedeutung sowie Wasserbehandlungen in Form von Warmwasser und Schwitzbädern, unterstützt durch die Wirkung pflanzlicher Zusätze.

Regeln für Therapeuten

Hildegard stellt auch für die Behandelnden oder Ärzte Regeln auf. Ganz besonders wichtig ist ihr, dass es nicht vordergründig um die Technik, also die wissenschaftliche Anwendung der Methoden geht, sondern dass die Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit im Mittelpunkt der Behandlung steht. Grundgedanke von Hildegards Heilkunst ist letztendlich, dass nur Gottes heilende Kraft dem Menschen zu Hilfe kommen kann. Ohne sie bleiben alle ärztlichen Bemühungen wirkungslos. Die mitfühlende Zuwendung des Arztes zum Kranken ist daher wichtiger als die medizinische Technik.





Autor:   Michele DeVivo
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