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Die Pluto-Generationen

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Die Pluto-Generationen

Pluto in Schütze (1995 – 2008)

  • Potential: Die Welt wächst zusammen. Spaß als heilsame Energiematrix. Verstärkte Sinnsuche.
  • Schatten: Die Kollateralschäden der Globalisierung. Hemmungsloses Wachstum bis zum Kollaps. „Wir amüsieren uns zu Tode“. Religiöser Fanatismus.

Der Spaßgesellschaft nahm zwar bereits unter Uranus in Schütze ihren Beginn (Uranus in Schütze bildete 1981-88 die skurril-bunte Gegenströmung zu Pluto in Skorpion), zur ungehemmten Entfaltung kam sie jedoch erst, als Pluto selbst in den Schützen wanderte. Ausdruck des neuen Lebensgefühls ist der Techno, der zwar schon weit vor 1995 von Soundtüftlern entwickelt wurde, Mitte der 90er Jahre jedoch plötzlich einen Durchbruch in Richtung Massenkultur erlebte. Die vielfach kopierte Berliner „Love Parade“, auf der bis zu einer Million Jugendliche (meist der Pluto-in-Waage-Generation) einfach nur Spaß haben wollten, vermochte ein relaxtes Energiefeld zu kreieren, das der Utopie von „Liebe und Frieden für alle“ tatsächlich einen historischen Moment lang entsprach.

Leider nimmt der Spaß (Schütze) im Zusammenhang mit Pluto jedoch rasch zwanghafte Züge an: Die neue Partykultur ist von der Droge „Ecstasy“ mitbestimmt, die die Konsumenten in eine leere Euphorie versetzt und ihnen ermöglicht, bis zum lebensbedrohlichen Kollaps durchzutanzen und durchzufeiern.

Auch im Bereich des modischen Extremsports, der bereits unter Pluto in Skorpion mit dem tödlichen Kitzel spielte, sind weitere Verschärfungen zu beobachten: Nach dem Bungee-Jumping kommt nun das riskante Tiefschnee-Skifahren in Mode, bei dem der Thrill darin besteht, dass man von einer Lawine verschüttet werden könnte - während die Liebhaber des „Canyoning“ mit Motorbooten bei Höchstgeschwindigkeit durch verwinkelte Canyons rasen! Der Spaß wird hier selbst zur Droge, die nach einer immer weiter gesteigerten Intensivierung des Augenblicks verlangt.

In anderen Weltteilen hingegen findet Pluto in Schütze einen vollkommen anderen Ausdruck: Nicht der Spaß wird hier bis zum Exzess getrieben, sondern die Sinnseite des Schützen überstrapaziert. Im islamischen und christlichen Fundamentalismus scheint plötzlich das mittelalterliche Kreuzrittertum aufzuerstehen, das bereit ist, alle zu töten, die nicht mit den eigenen Glaubensansichten übereinstimmen. Erschütterndstes Ereignis war in dieser Hinsicht der 11. September, aber auch die Bereitschaft militanter Abtreibungsgegner in den USA, Abtreibungsärzte zu erschießen, spricht eine deutliche Sprache.

Im Gegenzeichen zu den Zwillingen erlebt die Welt unter Pluto in Schütze nun auch ihre zweite Medienrevolution (Internet, Handy, digitale Speichermedien) und damit einen neuerlichen, gewaltigen Beschleunigungsschub. Wurden unter den Zwillingen viele verschiedene Einzelmedien entwickelt, was eher zu einer Aufsplitterung der Bewusstseinsinhalte führte, kommt es jetzt zur Bündelung der Informationen im digitalen Datenstrom des World Wide Web. Damit sehen sich die gestressten Hirne der Menschen jedoch einer Datenflut ausgesetzt, die ihre kognitiven Fähigkeiten schlicht überfordert (Pluto = Überwältigung).

Der Wunsch des Schützen, sich immer neue Horizonte zu erobern, scheint sich im Zuge der Globalisierung paradoxal aufzuheben, wenn man am Bildschirm die ganze Welt zu sich nach Hause holen kann und fast jedes Ziel per Billigflieger erreichbar geworden ist. Dennoch ist der Drang nach fernen Zielen ungebrochen, dem selbst der Tsunami und Anschläge auf Ferienorte nur vorübergehende Dämpfer versetzen konnten. Das Reisen (Schütze) ist wieder lebensgefährlich (Pluto) geworden, was eine Art Umkehrbewegung gegenüber der Tourismuswelle darzustellen scheint, die bislang ihrerseits ungehemmt niederwalzte, was sie doch vorgeblich liebte. Jedenfalls hätten die Müllberge am Mount Everest und der Kinderstrich in Bangkok schon längst deutlich machen müssen, dass hier etwas nicht stimmt.

In der Wirtschaft machte sich Pluto in Schütze als Expansionseuphorie mit fatalen Auswirkungen bemerkbar: Es gab mehrere Aktienhypes, die die Anleger viel Geld kosteten, und im Zuge von angeblich unausweichlichen Fusionen entstanden Mega-Konzerne, die sich bald als unrentable Dinosaurier entpuppten (zuletzt Karstadt-Hertie). Das Konsumrad dreht sich schnell, und noch scheint sich keiner ernsthaft daran zu stören, dass der begeisterte Drang, in immer schnellerer Folge die neuesten Produkte kaufen zu wollen (z.B. Handys), die Müllberge wachsen lässt, die private Verschuldung in die Höhe treibt und das Qualitätsniveau der Waren immer weiter absenkt. Die Globalisierung führt zudem zu Veränderungen in der Weltwirtschaft, die bislang noch nicht absehbar sind und sich in Deutschland momentan mit der Abwanderung von Betrieben und steigenden Arbeitslosenzahlen bemerkbar machen. Pluto in Schütze scheint auch das größte Land der Erde wachgeküsst zu haben, nämlich China, das gerade eine unglaubliche Wirtschaftsentwicklung durchläuft und von dem wir in den folgenden Jahrzehnten wahrscheinlich noch viel hören werden.

Die Erben (die noch Ungeborenen bis 10-jährigen): Auch wenn noch völlig unabsehbar ist, wie sich das Pluto-Schütze-Thema bei dieser Generation auswirken wird, weckt Schütze (wie immer) einen gewissen Optimismus. Während im Westen eine Generation heranwachsen könnte, die sich mit leeren Spaßangeboten nicht länger zufrieden gibt, sondern drängend die Sinnfrage stellt und auf neue Werthaltigkeiten pocht (die Papst-Begeisterung im April gab schon einmal einen Vorgeschmack darauf), bestehen gute Chancen, dass sich im Nahen Osten Widerstand gegen die religiöse Bevormundung regen wird. Die Erben von Pluto in Schütze könnten dort nämlich den individuellen Spaß einfordern, den man ihnen lange vorenthalten hat, und die Religion, die ihnen immer nur als Unterdrückungsorgan entgegengetreten ist, schlicht weniger ernst nehmen.

Pluto in Steinbock (2008 – 2023/24)

  • Potential: Reorganisation stabiler Strukturen.
  • Schatten: Verhärtete Blockbildung, die einen Zusammenprall vorprogrammiert.

Viele Esoteriker fürchten, dass unter Pluto in Steinbock der Dritte Weltkrieg ausbrechen könnte, der zu einer Zerstörung (Pluto) aller bisherigen Strukturen (Steinbock) führen wird. Da die expansiven Tendenzen unter Pluto in Schütze jedoch bereits zu einer weltweiten Destabilisierung und einem unbekümmerten Wegfegen überkommener Strukturen geführt haben, wäre meines Erachtens eher denkbar, dass es zunächst zu einem neuen Konservatismus, einer Rückkehr zu stabilen Werten und einer zwanghaften Betonung von Halt, Sicherheit und Solidität kommt. Viele sehnen sich ja jetzt schon danach, dass es etwas langsamer vorangehen möge und wieder Qualitätskriterien statt Phrasen eine Rolle spielen.

Allerdings besteht die Gefahr, dass sich im Zuge der Reorganisation und Restabilisierung - vor allem auf der politischen Ebene - verschiedene Blöcke bilden, die sich aufgrund systemischer Unvereinbarkeiten gegeneinander abschotten, verhärten und erstarren. In diesem Falle wäre in noch fernerer Zukunft tatsächlich ein desaströser Zusammenprall vorprogrammiert. Kandidaten für eine dementsprechende Blockbildung sind z.B. die USA, die sich schon jetzt kaum mehr einer Weltgemeinschaft einordnen wollen, und China, dessen scheintaktische Öffnung nach dem Westen rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten folgt, nichts aber mit einem Mentalitätswandel zu tun hat.

Auch die EU befindet sich momentan zwischen Schütze-Scylla und Steinbock-Charybdis: Das optimistische Einlassen immer neuer Mitgliedsländer hat zu einem chaotischen Wachstum geführt (Schütze), das die ohnehin schwachen Strukturen der EU ernsthaft zu untergraben beginnt. Der an sich notwendige Schlussstrich unter die Erweiterung bietet hingegen die Chance auf Stabilisierung (Steinbock), wird aber zwangsläufig zu einer Abschottung gegenüber Ländern führen, die sich zu Recht fragen dürfen, warum ausgerechnet sie es nicht geschafft haben, aufgenommen zu werden. Im Zentrum des Problems steht die Türkei, die im Falle einer Aufnahme von ihrer Größe und Problemlage her genau der Brocken sein könnte, an dem sich die EU endgültig verschluckt (Pluto/Schütze negativ). Nimmt man die Türkei aber nicht auf, droht dort eine ressentimentgeladene Rücknahme der bereits eingeleiteten Reformen und eine Hinwendung zu nationalistischen und konservativ-islamistischen Tendenzen (Pluto/Steinbock negativ). Beides können wir nicht wollen. Das Zeitfenster für eine Aufnahme dürfte sich jedoch spätestens 2008 schließen.


Petra Dörfert, Astrologin
Tel.: +49 (0) 30 30 10 24 14 (Berlin)
+49 (0) 711 8 87 24 66 (Stuttgart)
www.astro-doerfert.de  ::  info@astro-doerfert.de 

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Autor:   Petra Dörfert
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