Baduanjin - die Acht Brokatübungen - sind
eine seit dem Altertum bekannte Methode zur Erhaltung und Wiederherstellung
der Gesundheit. "Ba" steht wörtlich für die Zahl Acht, "Duan"
für Abschnitt/Teil und "Jin" ist ein prächtiger, farbenfroher
Brokat. Jin symbolisiert die Vielfältigkeit und den großen Wert dieser
Übungen. Der Vergleich mit kostbarem Seidenstoff soll zeigen, wie wertvoll
diese Übungen für die Gesundheit sind. Da die Acht Brokatübungen
schon sehr lange existieren, haben sich bis heute verschiedene Stile entwickelt,
von sehr kraftvoll bis sehr sanft. Zunächst waren es acht einzelne Übungen,
die relativ unabhängig nebeneinander standen, später wurden sie zu
einer Abfolge zusammengeführt. Neben den Acht Brokatübungen gab es
Übungsreihen, die aus 4, 6, 12 und 24 Abschnitten bestanden. Es sind Übungen,
bei denen die äußere, körperliche Arbeit im Vordergrund steht,
die zur Entspannung oder zur Dehnung führt.
Ergänzend
zu den Acht Brokatübungen gehört eine Übungsreihe mit zwölf
Übungen (Shierduanjin), die im Sitzen ausgeführt wird und zu der auch
die Selbstmassage gehört. Shierduanjin ist vor allem für alte Menschen
gedacht und für Menschen im Heilungsprozess. Im Gegensatz zu den kraftvollen
Körperhaltungen im Stehen konzentrieren sich die Übungen im Sitzen
mehr auf innere Übungen.
Weitere Namen: Die Acht Edlen Übungen,
Die Acht edlen und eleganten Übungen, Acht Brokatübungen, Acht Stücke
Brokat, Baduanjin, Ba Duan Jin, Pa Tuan Chin, Pa Tuan Shin.
Geschichte
Es handelt sich bei den Übungen um acht Lektionen und der
Ausdruck Pa-qua (Ba Gua) = acht Zeichen, haben einen Zusammenhang mit dem I
Ging. Dort heißt es: "In den Wandlungen gibt es das Taiji (Uranfang),
das die beiden Instrumente (Yin und Yang) hervorbringt, diese erzeugen die vier
Bilder und diese die acht Trigramme." Damit wird der Zusammenhang von Markokosmos
und Mikrokosmos beschrieben. Der Sinn der Übungen ist es, die beiden Wirkkräfte
- Yin und Yang - in Einklang zu bringen. Jede Bewegung bzw. Haltung spiegelt
die Polarität bzw. Ergänzung von Yin und Yang.
Die Trigramme des I Ging wurden schon früh mit den Körperteilen
und mit den einzelnen Übungen in Verbindung gebracht, wobei die folgende
Zuordnung am meisten verbreitet ist:
- qian - Schöpferisch/stark/Himmel....
Kopf.... Himmel stemmen
- kun - Empfangend/hingebend/Erde.....
Unterbauch, Milz und Magen
- zhen - Erregend/beweglich/Donner.....
Füße.... Fäuste ballen
- kan - Abgründig/gefährlich/Wasser.....
Ohren.... Knie beugen
- gen - Stillehalted/Ruhe/Berg..... Hände....
Bogen spannen
- sun - Sanft/eindringend/Wind..... Beine....
Fersen heben
- li - Haftend/leuchtend/Feuer..... Augen....
Fisch
- dul - Heiter/fröhlich/See..... Mund....
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Bereits Xu Sun aus der Jin-Zeit
(239-374 n. Chr.) erwähnt frühe Formen der Acht Brokatübungen.
Xu Sun bezeichnete in seinen Aufzeichnungen Lingjianzi als Erfinder dieser Übungen.
Wenn auch Xu Suns Werk als früheste Quelle
angesehen werden kann, so lassen sich wichtige Elemente der Acht Brokatübungen
in noch älteren Aufzeichnungen finden. Ein bedeutender archäologischer
Fund zur Geschichte des Qi Gong stellen die im Mawangdui-Grab Nr. 3 (dat. 168
v. Chr.) in der Provinz Hunan gefundenen Werke dar: ein auf Seide geschriebenes
Buch über die Methode vom "Leiten und Führen des Qi" und
eine auf Seide gemalte "Tafel mit Übungen zum Leiten und Dehnen"
(Daoyintu). Auf dieser Tafel sind Übungshaltungen zu sehen, die in nahezu
identischer Weise in den Acht Brokatübungen praktiziert werden. So läßt
die Abb. 1 wesentliche Merkmale der 2. Brokatübung "Den Bogen spannen,
als wolle man auf einen großen Vogel schießen" erkennen, Abb.
2 beinhaltet Elemente der 3. Brokatübung "Einen Arm heben, um Milz
und Magen zu regulieren", und Abb. 3 entspricht der 6. Übung "Die
Füße fassen, um das Nieren-Qi zu stärken".
In jüngerer Zeit wurde eine Bronzefigur ausgegraben,
die die Brokatübung "Beide Hände stützen den Himmel"
darstellt. Nach Einschätzung der Fachleute ist dieser archäologische
Fund in die Zeit der Song- oder Ming-Dynastie zu datieren.
In der Qing-Zeit (1644-1911) wurde eine Reihe
von Texten verfaßt, die als wichtige Quellen für die Entwicklung
der Acht Brokatübungen gelten. Diese recht populäre Schrift ist reich
illustriert und enthält eine Beschreibung der Acht Brokate im Sitzen.
Die Grundlagen der Übungen
Unter dem Aspekt Innere/Äußere Übung
(neigong-waigong) lassen sich zwei Formen voneinander unterscheiden: zum einen
die Übungsform, bei der die Innere Übung den Schwerpunkt bildet (neigong
baduanjin), und zum anderen eine Form, bei der die Äußere Übung
den Hauptaspekt darstellt (waigong baduanjin). Die als Innere Übung kategorisierten
Methoden betonen die "Kultivierung des Qi" (das innere Qi); im Gegensatz
dazu liegt bei den als Äußere Übung kategorisierten Formen der
Schwerpunkt auf der Kultivierung des "Körpers" (d.h. Training
von Sehnen, Muskeln, Knochen und Haut). Nei und wai, Innen und Außen,
sind als relative Symbolzuordnungen zu verstehen, denn Innen und Außen
gehören untrennbar zusammen. In der traditionellen chinesischen Medizin
werden die 5 Funktionskreise Leber, Herz, Milz, Lunge und Niere (wuzang) dem
Innen zugeordnet und als "Wurzel" bezeichnet. Die Gliedmaßen
gehören zum Außen, sie sind die "Zweige" oder "Sprößlinge'".
Wie könnte man Wurzel und Sprößling voneinander trennen?
Im Vordergrund steht der ständige Wechsel von Yin und Yang, von Leere und
Fülle oder Entspannen und Anspannen. Dieser Aspekt findet sich auch in
der Progressivern Muskelentspannung wieder.
Die acht Brokatübungen sprechen einige der Leitbahnen und Energiepunkte
des Meridinasystems an oder wirken direkt auf einzelne Organe. Dieses Übungssystem
wirkt gesunderhaltend, kräftigend und vitalisierend. Sie tragen zur gesitigen
Sammlung bei und fördern das Konzentrationsvermögen. Für Menschen
die präventiv ihr körperliches, geistiges und seelisches Wohl fördern
möchten sind diese Übungen gut geeignet. Mit ihrer Unterstützung
lassen sich Blockaden lösen und das Qi stärken. Die Körperstrucktur
wird ausgerichtet und die natürliche Aufrichtung der Wirbelsäule und
des Kopfes verbessert. |