Immunität
entwickeln
Die dritte Komponente liegt darin, Immunität gegenüber den auf uns
Einfluss ausübenden Kräften zu entwickeln. Wie ist es möglich,
den Situationen oder den Einflusskräften gegenüber immun zu werden?
Wir müssen uns aus der selbst-zentrierten Wahrnehmung heraus bewegen, einer
Wahrnehmung, in der andere Menschen oder Dinge nicht existieren, in der wir
der Mittelpunkt und die einzige Blickrichtung in unserem Leben sind. Sind wir
in der Lage, uns über die selbst-zentrierte Wahrnehmung hinaus zu tragen,
entsteht automatisch Immunität den Situationen, Ereignissen und Vorstellungen
gegenüber.
Mit emotionalen Ausdrucksformen
umgehen
Die
vierte Komponente von Karma Yoga ist das Lösen von emotionalen Blockaden.
Emotionen sind aalglatt. Anders der Intellekt, mit ihm beschreiten wir einen
geraden, linearen Weg. Durch Logik ist es möglich, sich von Punkt A zu
Punkt B zu Punkt C zu Punkt D zu bewegen, es ist eine fortlaufende Route, bis
zum Ende. Die Logik oder der Intellekt, das ist ein gerader horizontaler Pfad.
Nicht jedoch die Emotionen, sie bilden schiefe Ebenen. Es ist schwierig, hinauf
zu klettern, und es ist leicht, abzurutschen. Es ist schwierig, eine positive
und zufriedene emotionale Identität zu entwickeln, und es geschieht sehr
leicht, in negative Emotionen abzusinken. Hass, Wut oder Eifersucht tauchen
in unserem Lebeen wie aus dem Nebel auf. Versuchen wir andere zu lehren, wie
sie lieben sollen, wie sie mitfühlend und positiv werden können, dann
taucht das nicht einfach aus dem Nichts aus. Die Emotionen gleichen einer unebenen
Bahn; meistens rutschen wir runter, und das Heraufklettern erfordert große
Anstrengung, es ist ein längere Reiseweg.
Sich darüber bewusst zu werden, wie
wir mit den emotionalen Ausdruckskräften umgehen, ist die vierte Komponente.
Lässt sich die Heiterkeit sowohl im Erfolg als auch in der Niederlage aufrecht
erhalten? Wenn das möglich ist, dann spricht das für eine ausgewogene
Persönlichkeit. Wir brauchen allerdings Vertrauen, Gewissenhaftigkeit und
den Glauben sowohl an uns selbst als auch in eine höhere kosmische Natur,
die unser Leben lenkt.
Ein gutes Beispiel ist ein Bauer. Er bringt
die Saat aus und beobachtet das Wachstum in der Hoffnung, dass die ausgebrachte
Saat nach einiger Zeit eine gute Ernte bringen wird. Das ist aber auch alles,
was er tun kann. Nun muss er auf die göttliche Gnade und das richtige Wetter
zur richtigen Zeit warten. Es gibt eine Grenze menschlicher Bemühung, danach
müssen wir höheren Kräften vertrauen. Ist der Boden nicht gut,
nützen die Anstrengungen des Bauern gar nichts, folgt ein wochenlanger
Regen, kann der ganze Acker überflutet werden. Bis zu einem gewissen Punkt
also ist Selbstvertrauen wichtig, was darüber liegt, erfordert den Glauben
und das Vertrauen in eine höhere kosmische Kraft. Dieses ausgewogene Vertrauen
nennt man Karma Yoga der Emotionen.
Liebgewordenes loslassen
Die fünfte Komponente von Karma Yoga ist das Aufgeben aller persönlichen
Launen, allen Festklammerns an Gewohntem. Das bezeichnet man als Hingabe. Hingabe
sollte hier allerdings nicht als philosophischer oder religiöser Begriff
verstanden werden, sondern vielmehr als ein Überwinden und Auflösen
von Anhaftungen, um frei zu werden. Im Moment des Loslassens von fixen Ideen
entsteht Kreativität. Unsere kleinen Launen erlauben es unserer kreativen
Natur nicht, sich zu zeigen. Kreativität zeigt sich nicht nur im künstlerischen
Ausdruck. Kreativität ist die volle Entfaltung von Gedanken und Gefühlen.
Diese Kreativität taucht dann auf, wenn wir uns von Komplexen und Liebgewordenem
trennen. Nur so entwickelt sich ganz spontan und natürlich das selbstlose
Tun, die nächste Stufe. Selbstlosigkeit kann nur dort existieren, wo es
keine Wünsche, kein Verlangen, kein Anhaften und keine Identifikation mit
Ereignissen mehr gibt. Normalerweise versuchen wir alle bei der erstbesten Gelegenheit,
Wasser in Wein umzuwandeln. Nicht, weil es uns in irgend einer Weise hilft,
sondern weil es unserem Ego einen Auftrieb gibt. Die selbstsüchtige Natur
ist gewöhnlich vorherrschend. Selbstlos zu werden, ist eine der schwierigsten
Aufgaben. |