Karma Yoga ist der Yoga der Tat. Karma Yoga lehrt,
das Schicksal als Chance zu begreifen. Es enthält Techniken, Entscheidungen
richtig zu treffen und jeden Teil des Lebens zu spiritualisieren. Karma Yoga
ist auch der Yoga des selbstlosen Dienstes und hilft, die Grenzen des eigenen
Egos zu transzendieren und sich eins mit allen Wesen zu fühlen.
"Karma" heißt "Handlung".
"Was du säst, wirst du ernten". Im Yoga bedeutet dies, dass wir
als Resultat unser Taten entsprechend, in diesem oder im nächsten Leben,
die Ernte unserer Handlungen erleben werden.
Der
Kontakt mit der Welt erlaubt es uns, wie in einem Spiegel zu sehen, wo wir z.B.
von Angst, Egoismus und Gier geleitet werden. So können wir erkennen, wo
wir uns in unserer Entwicklung befinden. Die Verpflichtungen, die wir angenommen
haben, können wir beispielsweise dafür einsetzen, unser Herz und unseren
Geist zu erhöhen und zu erhellen. Alle Arbeit, die wir in diesem Sinne
unternehmen, bereitet uns auf wahre Meditation vor. Wenn man einen Tag in Negativität
verbringt, kann man nicht hoffen, dies durch einige Momente der Meditation oder
eine Stunde Stellungen und Pranayama auszugleichen.
Achtsam werden
Es gibt fünf Komponenten in Karma Yoga. Die erste davon ist die Achtsamkeit.
Während der Ausführung von Asana werden wir uns des Körpers bewusst.
Die Achtsamkeit wird Teil der Asanaübung und der Körperbewegung. Das
Bewegen eines Fingers kann der Anfang sein. Wie sich der Finger bewegt, wie
die Muskeln angezogen werden, welche Rolle die Gelenke dabei spielen, diese
Erfahrungen machen wir durch Achtsamkeit. Die wachsende Achtsamkeit zerlegt
den Finger in Knochen, Muskeln und Nerven. Die Muskeln und Knochen bewegen sich
unterschiedlich, die Nerven und Bänder ziehen unterschiedlich und die Achtsamkeit
wird immer präziser, immer feiner. Was wir am Anfang beobachtet haben,
ist eine Erfahrung, später erkennen wir weit mehr der verschiedenen Komponenten
und Formen. Das Ziel ist es, dessen gewahr zu werden, wie sich der Körper
in normalen Lebenssituationen zum Ausdruck bringt. Es ist die Achtsamkeit in
der Asanaübung, die zu Wohlbefinden und Stabilität führt.
Die Reaktion beobachten
Die zweite Komponente von Karma Yoga ist mentaler Natur, es ist das Beobachten
der inneren Reaktionen und des inneren Verhaltens. Da sagt jemand zu dir: "Du
bist wirklich wunderschön, ein großer und wunderbarer Mensch."
Ein anderer sagt: "Dich kann man wirklich für nichts gebrauchen -
hoffnungslos." Beide Sätze haben eine tiefe Wirkung und lösen
eine Reaktion aus. Eine solche Reaktion dominiert nun alle Vorstellungen und
Ideen. Der eine Satz hebt die Stimmung an, der andere lässt sie tief sinken.
Die ganze Gemütslage verändert sich. Tatsächlich vermag es ein
einzelner Satz, die Stimmung zu dominieren. Die erste Komponente von Karma Yoga
ist die Bewusstheit, die zweite ist das Beobachten der Reaktion.
Durch Meditation werden Veränderungen der
Stimmungslage, des Bewusstseins und der Gedanken erfahren und beobachtet. Erst,
wenn wir in der Lage sind, die sich zeigenden mentalen Ausdruckskräfte
zu erkennen, wird es möglich, sie auch zu lenken und zu führen. Auch
Meditation wird zu einem Prozess des Erkennens der mentalen, psychologischen,
feinstofflichen, emotionalen oder karmischen Bewegungen. |