Reicht die sexuelle Anziehung aus?
Das Ideal der romantischen Liebe und die Fixierung auf sexuelle Anziehung, die
uns über Schlagermusik und Filme tagtäglich vermittelt werden, reden
uns ein, dass eine Partnerschaft gelingt, wenn sie von der Liebe und sexueller
Anziehung getragen wird. Wenn nach der Phase der Verliebtheit die Alltagswirklichkeit
ihren Tribut fordert, bleibt die Liebe oft auf der Strecke.
Die Fähigkeit, eine Partnerschaft
im Alltag zu gestalten, erfordert viel mehr als die anfängliche Liebe oder
sexuelle Anziehung.
Die
erste grundsätzliche Frage lautet, wie weit die biologischen und emotionalen
Rhythmen zweier Partner übereinstimmen. Die alten Kulturen wussten um deren
Bedeutung. Sie prüften astrologisch nach, welche Partner seelisch und körperlich
miteinander harmonieren. Wenn die Rhythmen unvereinbar sind, schafft dies viel
Leid in einer Partnerschaft, da weder die Liebe noch therapeutische Verfahren
in solchen Fällen helfen können.
Was, wenn der Partner an Sex nicht
interessiert ist?
Es gibt Lebensphasen, in denen die Partner mit ihrer Energie anderweitig gebunden
sein können, zum Beispiel in Zeiten von Leistungsstress, Verlusten von
engen Bezugspersonen, finanziellen Sorgen oder Mutterschaft.
In solchen Zeiten ist oft kein großes
Interesse an Sexualität vorhanden. Die Frage ist, wie weit die Partner
sich auf der seelischen Ebene verstehen und die Energie auf dieser Ebene nutzen
können.
Wichtig ist auch, ob die Partner ihre Bedürfnisse
kennen und sie offen und ehrlich mitteilen können, und ob beide dafür
offen sind, das weite Feld der Liebe und Sexualität gemeinsam zu erkunden.
Dies schließt Zärtlichkeit und alle Formen der Sinnlichkeit mit ein.
Wir leben in einer Zeit rascher Veränderungen, denen auch die Liebe und
die Partnerschaft unterworfen sind. Viele Menschen kommen aus Familien, die
kein Modell für eine gelungene Partnerschaft entwickeln konnten, weil die
alten Modelle sich auflösen und neue Formen noch nicht gefunden sind. Von
daher gibt es keine Patentrezepte.
Erlauben Sie es sich, neue Wege zu beschreiten!
Die Kunst einer befriedigenden Paarbeziehung
Eine befriedigende Paarbeziehung zu leben ist eine Kunst, die heute viel Eigeninitiative,
Kreativität und Toleranz für neue Lösungen fordert.
Liebe lässt sich nicht auf eine Partnerschaft
begrenzen. Wir leben in einer offenen Gesellschaft, in der uns viele Menschen
begegnen, die mit uns auf einer Wellenlänge liegen.
Die Frage ist, wie Sie die sexuelle Anziehung
handhaben. Auch hierfür gibt es kein Patentrezept, aber ein erstaunliches
Spektrum an Lösungsversuchen.
Es wäre nicht gesund, die erotische und sexuelle Anziehung abzuschneiden.
Damit würden Sie sich in Ihrem eigenen Wachstum begrenzen. Menschen, die
Sie anziehen, eröffnen Ihnen häufig einen Bereich, der Ihnen über
Ihren Lebenspartner nicht zugänglich ist. Von daher ist solch eine Begegnung
auch ein Zeichen, dass in Ihnen etwas heranreift, dem Sie Ausdruck geben möchten.
Wir leben auch in einer Zeit, in der wir
uns von der Ausrichtung auf Wettbewerb und Macht weiter entwickeln zur Ebene
des Mitgefühls und der menschlichen Liebe.
Das Bedürfnis nach 'Untreue' spiegelt
in diesem Zusammenhang das Bedürfnis nach Erweiterung und Austausch. Die
Frage ist, ob Sie in der Lage sind, dieses Bedürfnis zu begrenzen auf ein
Geflecht freundschaftlicher Beziehungen.
Die Erweiterung in dieser Richtung kann
für ein Paar eine Bereicherung darstellen. Die Überschreitung der
sexuellen Grenze ist in der Regel eine Bedrohung, die viel Fingerspitzengefühl
und Vertrauen auf beiden Seiten voraussetzt.
Krisen in der Paarbeziehung, eine
Chance zum Wachstum?
Eine Beziehung hat, wie jeder Mensch, ihre eigenen Entwicklungsstufen. Jeder
Übergang von einer Stufe zur anderen geht mit tief greifenden Veränderungen
einher. Wenn Sie diese Übergänge als Krisen wahrnehmen, reagieren
Sie mit der Angst, den Partner zu verlieren. Unsere eingefleischte Reaktion
darauf ist, an dem Partner und dem Gewesenen festzuhalten.
Wenn Sie solche Phasen als Chancen zu gemeinsamem
Wachstum begreife, können Sie eher loslassen und Raum geben, so dass beide
sich dessen besinnen können, was die Beziehung bislang ausgemacht hat und
was an Neuem heranreift.
Wie gut Sie mit solchen Wachstumsphasen
zurecht kommen, hängt davon ab, wie gut Sie in Ihrem Leben stehen, wie
befriedigend die anderen Bereiche in Ihrem Leben sind und ob Sie Freunde habe,
an die Sie sich wenden können. Ein gemeinsames Wachsen setzt die Bereitschaft
beider Partner voraus, sich persönlich weiterzuentwickeln.
In solchen Phasen kann es daher sehr hilfreich
sein, persönlich oder als Paar professionelle Hilfen in Anspruch zu nehmen
oder sich mit Menschen auszutauschen, die durch ähnliche Wachstumsprozesse
gehen.
Manchmal hilft schon die Unterstützung
durch klare, praktische Information. Mein Buch Prinzip Lebensfreude gibt Ihnen
einen Überblick über die verschiedenen Stufen der Liebe und viele
praktische Hinweise und Anleitungen, wie Sie Ihr positives Selbst stärken
können, so dass Sie selbstbewusst und mit einem Gefühl innerer Sicherheit
solche Wachstumsphasen meistern können.
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